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Die
im Gegensatz zu anderen Südtiroler Musikkapellen noch relativ „junge“
Musikkapelle von Prissian wurde im Jahre 1957 gegründet. Bis zu diesem
Zeitpunkt waren die meisten Gründungsmitglieder bei der Musikkapelle
im Nachbardorf Tisens (gegründet im Jahre 1816) aktiv tätig,
von der man sich aus verschiedensten Gründen trennte um eine eigene,
selbstständige Musikkapelle auf die Beine zu stellen. Als Gründungsobmann wurde Hermann Windegger gewählt, den Dirigentenstab übernahm Hermann Mair (Brückenwirt). Im November desselben Jahres wurde die erste gemeinsame Musikprobe abgehalten, zu Ostern 1958 war es dann endlich soweit, die Kapelle konnte zum ersten Mal einigermaßen einheitlich gekleidet auftreten (grauer Rock mit grünem Aufschlag und Hut mit einem so genannten „Waudl“). Von Anfang an war es von oberster Priorität Jugendliche des Dorfes anzuwerben, ihnen die Tätigkeit in der Musikkapelle schmackhaft zu machen und natürlich auszubilden, um den Fortbestand der Kapelle für die Zukunft absichern zu können. Im Jahre 1960 wurde Hermann Matscher (Feldegger) Kapellmeister, sieben Jahre später nämlich im Jahr 1967 wurde er vom damals 17-jährigen Flügelhornisten Elmar Windegger abgelöst. |
![]() Foto: Mk Tisens/Prissian 1942 |
![]() Foto: Mk Prissian 1958 |
Als
dieser 1970 zu seinem Militärdienst eingezogen wurde, trat während
dieser Zeit der damalige Kapellmeister Stellvertreter Hermann Matscher
(Feldegger) an seine Stelle. Nach dem Ablauf der Dienstzeit übernahm
wieder Elmar Windegger die Tätigkeit als musikalischer Leiter der
Kapelle, welche er insgesamt 27 Jahre mit viel Fleiß ausübte.
Dank seiner zähen Ausdauer, seines Einfühlungsvermögens
und seiner unerschöpflichen Liebe zur traditionellen Blasmusik brachte
seine Arbeit als Kapellmeister schon bald den erhofften Erfolg. Die Vereinstätigkeit in dieser Zeit bestand aus Platzkonzerten im Prissianer Dorfzentrum, aus Konzerten bei verschiedensten Wiesenfesten und öfters auf der Meraner Kurpromenade sowie das Mitwirken bei verschiedensten anderen Festlichkeiten. Auch war es für Kapellmeister Elmar Windegger immer von großer Wichtigkeit im Bereich Blasmusik modernere Wege einzuschlagen. So wurden im Laufe der Zeit auch moderne Kompositionen für Blasmusikorchester in das Repertoire der Kapelle aufgenommen. Immer wieder wurde intensiv an der Erneuerung der Musiktracht gearbeitet. |
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So
wurden 1980 Sommertrachtenhosen sowie Trachtenhemden für die gesamte
Kapelle angeschafft. Auch wurden im Probelokal (im alten Prissianer Schulhaus)
ständig Verbesserungsarbeiten (in den meisten Fällen in Eigenregie)
durchgeführt, und von Zeit zu Zeit neue Instrumente angekauft. Das
Probelokal, welches bis im Jahr 2004 unter der Verwaltung der „Weger-Stiftung“
stand wurde seit der Gründung der Kapelle unendgeldlich zur Verfügung
gestellt. Im Jahre 2004 übernahm die Gemeindeverwaltung von Tisens die Verwaltung des Gebäudes. Ohne die Unterstützung durch Spendenbeiträge der Prissianer Dorfbevölkerung, Beiträgen von Seiten der öffentlichen Hand (Gemeinde Tisens und Land Südtirol) und durch Einnahmen aus verschiedensten größeren und kleineren Veranstaltungen im Dorf hätte man die enormen Kosten niemals bewältigen können. Zum 25-jährigen Bestandsjubiläum im Jahre 1982 wurde die neue Vereinsfahne angekauft. Beim zweitätigen Jubiläumsfest Mitte Juni 1982 wurde die Fahne von Hochwürden Dekan Johann Kerschbaumer geweiht. Die Patenschaft übernahm Marianne Windegger geb. Rösch und Martha Holzner geb. Obermarzoner. Anfangs bereitete die Gestaltung der Musikfahne einiges an Kopfzerbrechen. Da Prissian kein eigenes Dorfwappen besitzt, musste man darangehen, ein solches zu entwerfen. |
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![]() Foto: die Musikfahne der Mk Prissian |
Das
Burgendorf Prissian, wie es in verschiedenen literarischen Werken immer
wieder beschrieben wird ist reich an Schlössern, Burgen und Ansitzen
wie kaum eine andere Gegend in unserem Land. Es war also nahe liegend
das Fahnenemblem aus diesem historischen Bereich zu entnehmen. So zieren
seit 1982 die vier Prissianer Burgen (Wehrburg, Fahlburg, Katzenzungen
und Zwingenburg) das Emblem der Musikkapelle. Ein schwieriges Unterfangen
war es die vier historischen Baulichkeiten auf die Fahne zu bringen bzw.
diese vier Bauten in ein einziges Emblem zu verschmelzen. Von äußerster
Wichtigkeit war es, dass jedes der vier historischen Bauten seine charakteristischen
Merkmale unverkennbar beibehält. Mit dieser heiklen und vor allem
anspruchsvollen Aufgabe wurde der aus Unterinn am Ritten stammende Künstler
R. M. Complojer betraut, welcher das Problem vortrefflich gelöst
hat. Zur Beschreibung der Vereinsfahne meldete sich der Künstler
in der anlässlich der 25-Jahr Feier erschienenen Festbroschüre:
"Die Maße der neuen Vereinsfahne der Musikkapelle Prissian
sind: 180 cm hoch und 140 cm breit. Mit stehender Fahnenstange und Knauf
ist sie 320 cm hoch. Das zur Ausarbeitung verwendete Material ist reine
Seide als Grundfläche und Goldbrokatstoffe als applizierte Flächen.
Die Motive selbst sowie Symbole, Ornamente und Schriften sind Maschine-
und Handstickereien. Die Fahnenstange (rot-weiß) ist halbiert und
auf 180 Grad überleimt, um Verformung durch Nässe zu vermeiden.
Zur Fahne selbst: sie ist doppelseitig, das heißt, sie hat auf beiden
Seite ein anderes Motiv. Die Vorderseite ist asymmetrisch rot-weiß
geviertelt. In der optischen Mitte harmonisch in Form und Farbe das Hauptmotiv:
die vier wichtigen Schlösser von Prissian. Die Rückseite der
Fahne ergibt sich durch die geviertelte Vorderseite. In der optischen
Mitte das stilisierte Symbol der Musikkapellen, die "Lyra" (in
Gold). Die Randornamente sind einem Fresko dieser Gegend entnommen."
Angefertigt wurde die Fahne von der bekannten Firma Hofer aus Bozen. Raimund
Bachmann (Waldheim) übernahm 1982 die wichtige Aufgabe des Fähnrichs,
welche er bis heute mit viel Fleiß und Einsatz bekleidet. |
Im Jahre 1986 wurde Gründungsobmann Hermann Windegger von Albert
Holzner abgelöst.Im Laufe seiner elfjährigen Amtszeit als Obmann
fasste die Musikkapelle den Plan, die historische "Tisner Tracht"
(diese wurde bis um circa 1840 im Tisner Mittelgebirge getragen) anzuschaffen.
Unter seiner Federführung musste die Kapelle die vielen finanziellen
Hürden überwinden, um die Trachten anschaffen zu können.
Die enormen Kosten für diese Neuanschaffung konnten dann mit Hilfe
von Beiträgen der öffentlichen Hand getilgt werden. Die erste,
offizielle Vorstellung der Tracht fand anlässlich der 35-Jahr Feier
im Jahre 1992 im Vereinhaus „Kanonikus Michael Gamper“ in
Prissian statt. Seit dieser Zeit tragen die Musikanten und Musikantinnen
als einziger kultureller Verein im Gemeindegebiet von Tisens diese Tracht.
1994 gab Elmar Windegger schließlich den Taktstock an seinen Nachfolger
Martin Egger weiter. Dieser führt seither mit Erfolg die von seinem
Vorgänger erfolgreich aufgebaute Kapelle weiter. Auch ihm ist es
ein großes Anliegen die Jugend im Dorf für die Musik zu motivieren,
was ihm, in Zusammenarbeit mit den Jugendleitern vorzüglich gelingt.
Vier Jahre später, nämlich im Jahre 1998 legte auch Albert Holzner
seine Tätigkeit als Obmann nieder. Joachim Mair (Handlung Mair) übernahm
1998 die Führung der 40 Mann/Frau zählenden Musikkapelle, die
ihren musikalischen Leistungen gemäß in der Oberstufe einzuordnen
ist. |
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![]() Foto:Dorfplatzkonzert 1959 |
In
seiner sieben jährigen Amtszeit wurde die nötige Neuerrichtung
bzw. Umstrukturierung des Musikprobelokals und der Bau eines Pavillons
im Dorfzentrum (altes Schulhaus) vorangetrieben. Beides konnte im Jahr
2004 zur Zufriedenheit abgeschlossen und bezogen werden. Im April 2005
legte Joachim Mair aus Arbeits- und familiären Gründen seine
Tätigkeit als Obmann nieder. In seine Fußstapfen trat der Klarinettist
Florian Windegger (Birkenheim), welcher bisher das Amt des Schriftführers
bekleidete. Dieses Amt übernahm bis zu den nächsten periodischen
Neuwahlen Kapellmeister-Stellvertreter Elmar Windegger. Ein Vereinsjahr
erstreckt sich von Anfang November (in der Regel Erntedanksonntag) bis
Mitte September des darauf folgenden Jahres, also bis zur Obsternte. Da
ein Großteil der Musikanten und Musikantinnen zwischen September
und November bei der Obsternte tätig sind wären Proben und Auftritte
in dieser Zeit eine zusätzliche Belastung für alle. Ausgenommen
sind in dieser Zeit natürlich nicht voraussehbare bzw. planbare Auftritte
wie Beerdigungen, Hochzeiten und andere Begebenheiten.Höhepunkte
im Musikjahr sind neben dem traditionellen Osterkonzert der Gedenktag
des Hl. Martin von Tours (Martini - Prissner Kirchtag am 11. November),
seines Zeichens Schutzpatron der kleinen Ortskirche von Prissian und das
Fest der Musikpatronin der Heiligen Cäcilia Ende November. Auch im
Sommer wird für circa einen Monat die Tätigkeit niedergelegt.Das
traditionelle Osterkonzert am jeweiligen Ostersonntag um 16:30 Uhr im
Vereinshaus „Kanonikus Michael Gamper“ stellt wie bereits
erwähnt alljährlich den musikalischen Höhepunkt der Musikkapelle
dar, bei dem die harte und viel Ausdauer erforderliche Probenarbeit über
den ganzen Winter hindurch belohnt wird. |
![]() Foto: Auslandsbesuch der Mk Prissian Wörgl 1958 |
Im
Laufe des Sommers bis zum Herbst finden im Vereinshaus bzw. seit dem letzten
Jahr im neu errichteten Musikpavillon im Dorfzentrum Abendkonzerte für
Einheimische und Gäste statt. Der Tourismusverein Prissian nützt
diese Konzerte um Ehrungen langjähriger Gäste durchzuführen.
Bei dieser Gelegenheit möchte die Musikkapelle einmal mehr die gute
und vorbildliche Zusammenarbeit mit dem Tourismusverein Prissian hervorheben.
Am Heilig Abend erfreuen die Weisen einer Bläsergruppe der Musikkapelle
die Dorfbewohner und tragen somit viel zur weihnachtlichen Stimmung bei.
Wie in vielen anderen Dörfern ist auch das traditionelle Neujahr
anspielen ein fester Termin im Kalender der Musikkapelle von Prissian.
Die Kapelle teilt sich in zwei Gruppen und schafft es somit das gesamte
Gebiet (Prissian und Grissian) in einem Tag zu besuchen. An diesem Tag
spielt jede der beiden Gruppen zwischen 70 und 80 Märsche. Zu den
Konzerten im Dorf kommen noch einige andere Veranstaltungen (traditionelles
„Prissner Gasslfest“, Musikball „Ball ohne Krawall“
usw.), sowie einige Konzertauftritte außerhalb der Gemeinde. Bei
kirchlichen Feierlichkeiten im Hauptort Tisens wechseln sich die Musikkapellen
Prissian und Tisens ab (z. B. Erstkommunion spielt MK Prissian und Fronleichnam
spielt MK Tisens usw.) mit Ausnahme bei der Erntedankprozession (wirken
beide Kapellen gemeinsam mit). |
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Öfters nahm die Kapelle auch bei verschiedensten Wertungsspielen und Marschmusikbewerben in Südtirol mit großem Erfolg teil.Der Besuch bei Karl Moik´s weltbekannter Sendung „Musikantenstadl“ des ORF im Juni 2002 in der Eiswelle in Bozen und einigen Konzertauftritten bei verschiedenen Auslandsbesuchen (einige Deutschlandbesuche z. B. in Obersimonswald, Missen im Allgäu, Wörgl, München, Nenndingen bei Tuttlingen, Neuhausen bei Stuttgart, Betzingen bei Reutlingen, Wenns im Pitztal, Wolfenhausen usw.), waren die Höhepunkte in der fast 50-jährigen Vereinsgeschichte. Bei den Auslandsbesuchen wurde die Musikkapelle stets mit viel Beifall bedacht und hat dadurch auch viel zur Fremdenverkehrswerbung für das Dorf Prissian beigetragen. Auch konnten immer wieder Freundschaftliche Beziehungen zu anderen Blasmusikformationen geknüpft werden. Diese blieben teilweise bis heute bestehen.
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